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Text
Passage A aus Heim zu den Fischen von Sophie Reyer, 2018, mit 1.796 Zeichen aus insgesamt 18.076 Zeichen Textlänge. Sophie Reyer wurde 1984 in Wien geboren, wo sie heute auch lebt. Nach Abschlüssen in Komposition / Musiktheater (M.A.), Szenisch Schreiben (Diplom) sowie einem Studium Drehbuch und Filmregie an der Kunsthochschule für Medien Köln, erlangte sie 2017 den Doktor der Philosophie in Wien. Sophie Reyer hat bereits zahlreiche Theaterstücke sowie Romane geschrieben, die u.a. bei S. Fischer, Edition Atelier oder Czernin erschienen. Sie erhielt u.a. 2010 und 2013 den Literaturförderpreis der Stadt Graz und 2013 den Preis Nah dran! für das Kindertheaterstück Anna und der Wulian. Reyer gibt zudem Lehrgänge an der Uni für Film-, Medien- und Theaterwissenschaft Wien und der Pädagogischen Hochschule Hollabrunn.

Typografie
Jede Drucktechnik entwickelt einen eigenen Charakter, der dem Wiederzugebenden etwas hinzufügt oder etwas vermissen
lässt, sich das Abzubildende auf gewisse Art zu eigen macht und sichtbare Spuren hinterlässt. Bei der Entwicklung der hier verwendeten Schrift Korpus (2009/11) verfolgten Mika Mischler und Nik Thoenen Untersuchungen zu Schrift und ihrer Reproduktionsproblematik im Buchdruck. Initial zur Formfindung war das Schriftmusterbuch der Großdruckerei und des Verlags Waldheim-Eberle aus Wien von 1920. Es handelte sich um Musterseiten mit Textbeispielen für literarischen Schriftsatz. Dieser war überraschend unregelmäßig abgesetzt, mit ungleichmäßiger Farbführung und unausgewogenem Abdruck präsentiert. Sie haben sich mit den reproduktionsabhängigen Merkmalen beschäftigt und damit begonnen, Regelmäßigkeiten unter den Unregelmäßigkeiten zu suchen. Es wurde das Mangelhafte gesammelt, das vom vermuteten Original Abweichende, um mögliche Verwandtschaften in der äußeren Erscheinung dieser Spuren zu erkennen. Die regelmäßig auftauchenden Unregelmäßigkeiten wurden übernommen und in die Korpus übersetzt. Genau jene Details, die unter anderen Gesichtspunkten als Makel gedeutet werden könnten, können auch als Spielart des Mediums, als Eigenleben der Technik gesehen werden, die hier in diesem personalisierten Schriftwurf A+ nochmals eine weitere Überhöhung durch die disproportionierte Betonung der Interpunktion findet, als wiederkehrende Halterung im Satzgefüge.

Gestaltung
Der Gestaltungsansatz von Nik Thoenen liegt in der Spannung zwischen Intuition und Reflexion, meist typografisch, bis hin zu neuen Schriftentwicklungen. Er lebt in Wien und pendelt regelmässig nach Bern, wo er seit 2007 zusammen mit Mika Mischler das Schriftenlabel Binnenland betreibt. Er ist zudem Dozent für Typografie an der Schule für Gestaltung in Bern und Biel. www.binnenland.ch